Veranstaltung im Fokus

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Bauhaus Harvard – Interview mit Laura Muir

28.Januar 2019

Das Bauhaus und Harvard – vom 8.Februar bis zum 28. Juli zeigt das Harvard Art Museum eine Auswahl von rund 200 Arbeiten aus den Bereichen Textil, Gemälde, Photographie und Möbel aus den reichen Beständen des traditionsreichen Busch-Reisinger Museums – ergänzt durch illustrierendes Archivmaterial. Laura Muir, Kuratorin für pädagogische Begleitprogramme an den Harvard Kunstmuseen gibt einen Überblick über die Ausstellung.

 Was sind die Ziele dieser Ausstellung?

Laura Muir, Harvard Art Museum

Laura Muir: Der 100. Geburtstag des Bauhauses gibt uns die Gelegenheit über den einzigartigen Charakter unserer Bauhaussammlung nachzudenken und deren Genese in den späten 40er Jahren des 20. Jahrhunderts in Erinnerung zu rufen. Die Sammlung geht zurück auf das Engagement von  Walter Gropius. Gropius, Direktor des Bauhauses von seiner Gründung im Jahr 1919 bis 1928, blieb auch lange Jahre nach der Schließung der Institution auf Betreiben der Nazis im Jahr 1933 in Kontakt mit vielen seiner früheren Kollegen. 1937 kam Gropius zu Harvard, wo er in der Abteilung für Architektur eine Anstellung fand. (…) In der Ausstellung wollen wir Gropius‘ Verdienst beim Aufbau der Bauhaus-Sammlung aufzeigen, dabei jedoch zugleich nicht vergessen, dass es sich hier durchaus um eine kollektive Leistung handelte. (…) In diesem Jubiläumsjahr planen viele Institutionen mit Bauhaustradition Ausstellungen, die unterschiedliche Aspekte der Schule und ihres Erbes thematisieren. Indem wir unsere spezifische Geschichte erzählen, wird unsere Ausstellung einen Schlüsselmoment in der Geschichte des Bauhauses in den USA beleuchten. (…)

Warum ist das Bauhaus bis heute von Bedeutung?

Muir: Wegen der einzigartigen Weise, wie es Kunst, Architektur und Design zusammenbrachte. Bauhaus war multimedial, multidisziplinär und versuchte etablierte Hierarchien zwischen Bildender Kunst und Angewandten Künsten zu überwinden. Auch 100 Jahre später wirkt das Bauhaus noch immer ausgesprochen vorwärtsgewandt und modern – bis heute eine Quelle der Inspiration für viele Künstler und Designer.

Wie haben Sie es geschafft bei einer Sammlung von 30.000 Objekten eine Auswahl von 200 Exponaten vorzunehmen?

Muir: Ich habe mit einer Auswahl von 400 Objekten begonnen, und diese dann sukzessive reduziert. Ich wollte den Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck von Breite und Tiefe dieser Sammlung vermitteln, zugleich aber auch deren wichtigste Stärken aufzeigen, wie etwa die Materialien zur Bauhauspädagogik, zu den Webklassen und zur Gestaltung von Inneneinrichtungen.

Was kann man von dieser Ausstellung lernen?

Das Bauhaus wird oft mit ikonischen Produkten assoziiert wie Marcel Breuers Stahlrohrstühlen, der Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jucker oder den abstrakten Gemälden von László Moholy-Nagy. Wir haben Exemplare all dieser Objekte in unserer Sammlung, doch was vielleicht überrascht ist unsere reiche Sammlung von Materialien, die mit diesen Objekten in Beziehung stehen. So zeigen wir in der Ausstellung den berühmten Breuer-Stuhl zusammen mit zeitgenössischen Werbematerialien, die im Bauhaus entworfen wurden, um den Verkauf des Stuhls zu fördern. Und wir zeigen Lucia Moholys Fotos von Inneneinrichtungen, die den Stuhl in seinem originalen Kontext zeigen. Durch solche Dialoge zwischen den Exponaten versuchen wir die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Designern in der Ausstellung erfahrbar zu machen. Wir sind auch stolz darauf, den Bezug zwischen dem Bauhaus und Harvard in einem eigenen Kapitel der Ausstellung aufzuzeigen, das sich dem Graduiertenzentrum von Harvard (1950) widmet, das Gropius‘ Architekturfirma entworfen hat. Dieses Gebäude (heute das Caspersen Student-innenzentrum der juristischen Fakultät) vereinte Schlafsäle und öffentliche Räumlichkeiten. Es war das erste modernistische Gebäude auf dem Campus und hat Architektur, Möbel und Kunstwerke führender zeitgenössischer Künstler zusammen gebracht.

Was reizt Sie ganz persönlich am Thema Bauhaus?

(…) Als ich zu Harvard kam, haben mich die Möglichkeiten mit dieser unglaublichen Sammlung zu arbeiten (die auch das Feininger-Archiv umfasst) begeistert. Die Genese dieser Sammlung und die Rolle, die Harvard in diesem historischen Moment in der Geschichte und Weiterentwicklung des Bauhauses spielte, haben mich schon lange fasziniert. Diese ist längst nicht hinreichend bekannt, und das Bauhausjubiläum scheint mir ein perfekter Anlass einen genaueren Blick darauf zu lenken – mit Hilfe der Objekte dieser bemerkenswerten Sammlung.

Eine ungekürzte Fassung des Interviews finden Sie unter: https://www.harvardartmuseums.org/article/looking-forward-em-the-bauhaus-and-harvard-em

Das Bauhaus und Harvard, Harvard Art Museums, Cambridge Massachusetts, 8.Februar-28.Juli

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